7 DSK-Schach-Strategen mischen Erfurter Open 2004 auf
Malte Meyer ganz oben auf dem Treppchen
, Markus Dritter
Diagramme zeigen die Endstellungen seiner 8 Partien
Bericht von David Höffer
Daniels Freundin Birthe hatte es schon befürchtet: Wenn eine Turnierfahrt vom DSK ansteht, wird nicht nur vor, während und nach den Partien fast ausschließlich über Schach geredet, sondern auch noch auf der Hinfahrt, auf der Rückfahrt, beim Abendessen und eigentlich dauernd.
Und so war es natürlich auch diesmal wieder, fuhren wir doch mit gleich sechs Spielern unserer Ersten nach Erfurt, wo wir uns letztes Jahr bereits recht wohl gefühlt hatten.
Außer den sechs DSK’lern Daniel, Stefan, Malte, Markus, Frithjof und David fuhren neben Birthe auch noch Florian Mossakowski als BSJ-Trainer sowie Gerold Menze als mitspielender Betreuer für fünf jüngere Jugendliche aus dem Kader mit. Diese sammelten bis auf Benjamin Kaufmann alle im B-Turnier (das in Erfurt interessanterweise „A-Open“ heißt) Erfahrungen, Benny konnte im Elo-Open auf ein beachtliches Remis gegen WGM Vera Jürgens verweisen. Eine Überraschung für uns gab es noch, als wir im Turniersaal plötzlich Helmuth begegneten, der ebenfalls am B-Turnier teilnahm.
Ebenfalls etwas überraschend gestaltete sich der Blick auf die Setzliste, war das Turnier doch irgendwie nicht so stark besetzt wie im letzten Jahr. Immerhin waren aber 2 IM und 3 FM gemeldet, zudem viele Spieler mit einer ELO größer 2200.
Dominiert wurde das Turnier aber eindeutig von einem Verein – dem Delmenhorster SK! Malte startete gleich mal mit 4/4 (wenn auch bis dahin gegen jeweils etwas schwächer als er gesetzte Spieler), Markus und David blieben ihm mit 3,5/4 auf den Fersen. Dabei knöpfte Markus dem IM Christian Troyke trotz klarem Nachteil ein Remis ab und besiegte anschließend FM Sebastian Eichner. David hingegen sorgte dafür, dass die Verhältnisse im LSB klar waren und schlug den aus Syke angereisten FM Peter Jürgens, der in Runde 7 auch noch Stefan unterlag – DSK gegen Syke 2:0!
Während Friedel nach einem starken Auftaktremis gegen FM Eichner leider etwas in einen Abwärtsstrudel geriet und unglücklicherweise in der vierten Runde trotz bereits 1,5 abgegebenen Punkten gegen den starken Jugendlichen Martin Krämer aus Erfurt (2357 Elo) antreten musste, lagen auch Stefan und Daniel nach vier Runden mit jeweils drei Punkten noch aussichtsreich im Rennen, was in der fünften Runde zum ersten vereinsinternen Duell führte:
Markus traf mit weiß auf Daniel und sprach bereits nach kurzer Zeit davon, auf Gewinn zu stehen, als Daniel mit einem taktischen Manöver die Oberhand zurückgewinnen konnte. Doch nachdem die korrekte Abwicklung nicht gefunden wurde, gewann Markus etwas glücklich doch noch und hatte nun bereits 4,5 Punkte auf dem Konto, die er in der nächsten Runde mit einem weiteren Sieg ausbauen konnte – in einem harten Kampf gegen allerlei Drohungen des Läuferpaars und der Dame.
David konnte leider seine Form aus der ersten Turnierhälfte nicht halten und verlor gleich zweimal hintereinander (lag’s an der nicht ausgepackten Bürste?) ohne wirkliche Chance – einmal allerdings wie schon Friedel gegen Krämer. Malte hingegen musste nach sechs Runden die Tabellenführung zwar vorübergehend an Markus abtreten, konnte mit den beiden Remisen aber durchaus zufrieden sein – ein Gegner war immerhin IM Leonid Sobolevsky (gegen den Daniel im Vorjahr seine Glanzpartie gespielt hatte).
Vor dem Duell zwischen Markus (der schon wieder weiß im vereinsinternen Duell hatte) und Malte wurde viel spekuliert, ob eventuell ein friedliches Remis vereinbart würde, doch mittlerweile wollten beide den Turniersieg! Dies bewies vor allem Malte, der Markus‘ Remisgebot ablehnte und sich durch den kurz danach folgenden Bauerneinsteller bestätigt sah. Dank seiner starken Endspieltechnik ließ Malte anschließend auch nichts mehr anbrennen, war damit zusammen mit dem punktgleichen Sobolevsky Tabellenführer, Markus alleiniger Dritter – was für eine Ausgangsposition vor der letzten Runde!
Stefan hatte sich indes auch schon auf 5 Punkte hochgespielt und lauerte noch auf die Preisränge – wie ernst er die Partie der letzten Runde gegen FM Hammes nahm, zeigt sich schon darin, dass er eine intensive Vorbereitung dem Abschlussabend in einer nah gelegenen Kneipe vorzog. Genützt hatte es wohl nicht, Hammes (der übrigens in selbiger Kneipe anzutreffen war) gewann und schob sich noch in die Preisränge vor, Stefan belegte Platz 17.
Das gelang Daniel nicht mehr, auch wenn er mit 5,5 Punkten und Rang 12 sein Ergebnis aus dem Vorjahr toppte, ebenso wie David, der zwar mit 4,5 Punkten (Platz 23) bei hohem Gegnerschnitt eigentlich zufrieden sein kann, sich aber in der zweiten Turnierhälfte insgesamt drei Niederlagen einhandelte. Nicht ganz zufrieden sein dürfte Friedel mit seinen letztendlich 3,5 Punkten und einem Platz im Mittelfeld, auch wenn er durchaus gegen starke Gegner spielen konnte.
Spannend ging es an der Tabellenspitze zu: Malte lehnte zwar ein Remisgebot in der Eröffnung ab, nahm in unklarer Stellung später dann aber doch an, da er damit zum Zeitpunkt des Friedensschlusses zumindest den Co-Sieg bereits sicher hatte. Markus versuchte mit weiß gegen Sobolevsky alles, um noch den DSK-Doppelsieg perfekt zu machen, doch auch wenn die Stellung des IM einen auf den ersten Blick etwas löchrigen Eindruck hinterließ, kam Markus nicht so ganz rein und musste sich letztlich ebenfalls mit einem Remis zufrieden geben. Aufgrund der besseren Buchholz gegenüber einigen anderen war Markus damit aber trotzdem Dritter, vorne gab die Feinwertung den Ausschlag zugunsten von Malte, der damit Sieger des 14. Erfurter Weihnachtsopens wurde!!
Insgesamt können wir mit unserem Abschneiden sehr zufrieden sein, fast alle gewannen an Elo (Malte und Markus spielten Turnierleistungen von über 2440), die Turnieratmosphäre war auch wieder sehr gut, für das nächste Jahr ist allerdings angedacht, mal ein anderes Turnier zu besuchen, eventuell das größte Open zwischen den Jahren, in Böblingen.